Neues Bezahlmodell für Google Maps

14. August 2018

Die Marktmacht Googles wirkt sich in diesem Fall besonders aus:

Seit dem 16. Juli 2018 gelten für die Website-Nutzung der API-Schnittstellen zu Google Maps, Routes und Places neue Preise.

Im Livebetrieb des eigenen Accounts innerhalb der Google Cloud Platform sehen wir, dass viele Hotels und Destinations reagieren müssen. Die zuvor schwer zu prognostizierenden Kosten können unter Umständen erheblich sein:

XPORT nutzt für die meisten Hotel-Websites der Hotel- und Tourismuskunden die „dynamic maps" von Google Maps. Das neue Preismodell verhält sich in diesem Beispiel so:

28.000 Aufrufe der dynamischen Karte pro Monat - meist über die Website - sind ohne Kosten möglich. Google nennt diese Aufrufe API-Calls oder API-Zugriffe. Zu den Aufrufen zählt jede Seite eines Hotel-Website-Auftritts, in der die Karte integriert wurde. Sobald beim Seitenaufruf das Script der Karte geladen wird, verbucht Google einen Aufruf. Das kann auch passieren, wenn die Karte für den Website-Besucher auf dem Display noch nicht zu sehen ist, weil sie z.B. weiter unten platziert wurde. Wird das Script geladen, klingelt Googles Kasse.

Auch innerhalb einer Website-Session können mehrere Aufrufe zusammen kommen. Nämlich dann, wenn der User die Karte auf der Startseite der Hotel-Website und der Seite „Kontakt und Anfahrt" besucht. Oder wenn sie bei einer Hotelkette mit mehreren Häusern in die entsprechenden Hotel-Detailseiten eingebunden und dort aufgerufen wurde.

Ab dem 28.001 Aufruf springt das Zählwerk an

Mit dem 28.001 Aufruf einer Hotel-Website mit eingebundener dynamischer Google Maps zählt Google in Dollar bzw. Euro mit. Bei weiteren 1.000 Aufrufen, also insgesamt 29.000 Karteneinblendungen, sind 7 Dollar, derzeit 6,13 Euro, fällig. Diese Aufrufpakete von je 1.000 sind auf den Monat gerechnet. XPORT hat das Kontingent von 28.000 Maps-Aufrufen innerhalb weniger Tage erreicht. Bei uns liegt es daran, dass wir über den einen, eigenen Account mehrere Hotel-Websites laufen lassen.

Pro Account stellt Google eine monatliche Gutschrift von 200 Dollar, derzeit 175 Euro, zur Verfügung. Wichtig ist, dass diese Gutschrift tatsächlich nur pro Account, nicht pro Website-Auftritt gilt. Wir raten deshalb, sich einen eigenen Account anzulegen, um diese monatlichen 175 Euro Gutschrift vollständig nutzen zu können: https://cloud.google.com/maps-platform/

Rechenbeispiel typische Hotel-Website / Monat:

  1. 180.000 mtl. Seitenaufrufe einer typischen, gut frequentierten Hotel-Website
  2. 80.000 Seitenaufrufe davon luden das Script der dynamischen Google Maps (Startseite, Lage, Kontakt, Restaurant, Tagungsangebote etc.)
  3. 28.000 dieser Seitenaufrufe sind laut Google kostenfrei
  4. bleiben 52.000 kostenpflichtige Seitenaufrufe
  5. 52.000 Seitenaufrufe / 1.000er Aufrufpakete x 6,13 Euro = 320,32 Euro
  6. 320,32 Euro minus 175 Euro monatliche Gutschrift
  7. 145,32 Euro monatliche Kosten

Erheblich, oder?

Alternative

Eine kostenfreie Alternative wäre die Einbettung der statischen Google Maps. Ohne jegliche Anpassungen wie die Integration von 3D-Grafiken von Gebäuden, Zoomstufen, individueller Adress-Maker oder ähnliches. Viele unserer Hotelkunden wünschen sich die Darstellung ihrer Hausadresse ohne die Abbildung umliegender Wettbewerber. Mit der statischen Google Maps lässt sich dieser Wunsch nicht umsetzen.

Aber egal ob dynamisch oder statisch: Um Google Maps nutzen zu können, muss in Zukunft ein API Key erstellt und genutzt werden. Über diesen läuft die Anbindung an die Google Cloud Platform. Die Standard- und die Premium-Version von Google Maps wurden zusammengelegt, so dass jeder Nutzer auch ein entsprechendes Zahlungsprofil hinterlegen muss – selbst wenn er nur das kostenlose Kontingent verwendet. Wie bereits oben geschildert liegt der Vorteil eines eigenen Rechnungskontos in der Nutzung des monatlichen 200-Dollar- bzw. 175-Euro-Guthabens.

Eine weitere Alternative stellen die Angebote von OpenStreetMap oder TomTom dar. Geoawesomeness hat 10 Wettbewerbstools zusammengefasst: http://geoawesomeness.com/looking-for-google-maps-api-alternatives-here-are-the-best-picks/


Folgende Maßnahmen sind empfehlenswert:

1. Maßnahme: Eigener Google Maps Account inkl. eigenem Rechnungskonto, das auf Ihr Unternehmen läuft. Für jedes Rechnungskonto stellt Google monatlich wie gesagt die 200 $ Guthaben bereit, die von den Kosten abgezogen werden. Der Account muss von Ihnen mit Benutzername und Passwort eingerichtet werden: https://cloud.google.com/maps-platform/pricing/

2. Maßnahme: Checken Sie zunächst Ihre täglichen, wöchentlichen und monatlichen Nutzungzahlen bzw. Seitenaufrufe der Google Maps innerhalb Ihrer Hotel-Website. Wie schnell kommen Sie ans kostenfreie Gebührenlimit je Monat?

3. Maßnahme: Umbau Google Maps auf dynamisches Nachladen (Lazy Load).
Sinnvoll kann auch die Umprogrammierung der Karteneinbindung sein, sodass diese komplett nachgeladen wird. Und zwar erst, wenn der User an der Stelle der Hotel-Website angekommen ist, an der die Karte platziert wurde. Nachteil: eine kurze Wartezeit nach Scrollvorgang. Vorteil: der Gebührenzähler läuft erst an, wenn der User die Karte tatsächlich nutzen möchte. Es entsteht zwar ein einmaliger Entwicklungs-Aufwand, da es dafür keine fertigen Lösungen gibt. Letztendlich spart sie aber in den Folgemonaten erhebliche Google-Gebühren.

4. Maßnahme: Auch überlegenswert: der sparsamerer Einsatz der Map. Muss die Karte tatsächlich überall eingebunden werden? Vor allem die Seiten, die einen erheblichen Traffic erzeugen, fallen dabei ins Gewicht. Ein Ansatz wäre, die Karte nur auf den Hotelanfahrtseiten einzubauen.

5. Maßnahme: An der Stelle, an der normalerweise die Google Karte zu finden war, wird ein kartenähnliches Bild oder Illustration vorgehalten. Copyright-sicher versteht sich, kein Screenshot der Google Maps. Ein deutlicher Hinweis gibt dem User zu verstehen, dass er bei Klick auf dieses Bild bzw. diese Grafik die dynamische Karte nachladen kann.

 

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